Leserbriefe zum Rätsel aus Heft 1/2016

Die meisten Rätsellösungen kommen natürlich relativ „nackt“ daher: Lösungswort, Name und Adresse – und das war‘s dann. Und so ist es ja auch gedacht. Gelegentlich fühlen Rätselfreunde sich aber animiert, über den gesuchten Komponisten weitere Details zu erkunden und fügen dann der Lösung ihre Recherche-Ergebnisse bei, was mich immer sehr freut und mir oft auch zu neuen Erkenntnissen verhilft. Ein solch ausführlicher und informativer Brief wie der folgende zu Johann Wenzel Kalliwoda, dem im letzten Heft gesuchten Komponisten, ist aber noch nie eingegangen. Herzlichen Dank dafür. Wie sich aus Rückmeldungen einiger Rätselfreunde ergibt, war bei manchen letztlich das Internet hilfreich bei der Lösung der Rätselfrage. Puristen mögen da vielleicht die Nase rümpfen – aber selbstverständlich kann man überall nach Informationen suchen. (Ich erinnere mich an meinen Großvater, der gerne gerätselt hat, und sehe ihn noch vor mir, wie er – die Wochenendausgabe seiner Tageszeitung auf dem Tisch – immer mal wieder zu seinem „Brockhaus“ greift, um zu recherchieren… – aber wer hat heute noch einen Brockhaus oder ein Meyer-Konversationslexikon?)

Michael Goldbach

 

Sehr geehrter Herr Goldbach,
die Lösung des Rätsels aus Heft 1/2016 der Zeitschrift „Das Liebhaberorchester“: Johann Wenzel Kalliwoda.
Die kleine Residenzstadt ist natürlich Donaueschingen.
Ich wohne und arbeite unweit von Karlsruhe: Wenn ich in Karlsruhe unterwegs bin, kann es schon ab und zu vorkommen, daß ich an Kalliwodas Sterbehaus in der Amalienstr. 39 vorbeikomme. Als sporadischem Nutzer der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe (BLB) ist mir sehr wohl bewußt, daß die Musikabteilung dieser Bibliothek neben vielen anderen Schätzen den musikalischen Nachlaß Kalliwodas aufbewahrt (laut Wikipedia). Die BLB formuliert das auf ihrer Homepage differenzierter:
„Die Musikaliensammlung der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen wird nun in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe verwahrt. Das Land Baden-Württemberg hat die Sammlung Ende Oktober 1999 für 2,9 Mio. DM erworben. [...] Zahlreiche Hofkapellmeister versahen ihren Dienst am Fürstenberger Hof, besonders wichtig waren darunter Conradin Kreutzer (1780–1849) und Johann Wenzel Kalliwoda (1801–1866). Von Kalliwoda haben sich allein über 200 Kompositionen in der Musikaliensammlung erhalten. Dieser Bestand stellt nun eine hervorragende Ergänzung zu dem bereits in der Badischen Landesbibliothek verwahrten Teilnachlaß des in Karlsruhe verstorbenen Komponisten dar.“
Zwar besteht keine direkte Verbindung zwischen den Donaueschinger Musiktagen und Kalliwoda, indirekt aber schon (durch die Fürstenfamilie): Max Egon II. (1863–1941) förderte den Vorläufer der Donaueschinger Musiktage (Gesellschaft der Musikfreunde, die sich zuerst der Aufführung alter Musik aus den Donaueschinger Beständen widmete und 1921 mit den vom Fürsten protegierten Kammermusikaufführungen zur Förderung zeitgenössischer Tonkunst begann); sein Großvater Karl Egon II. (1796–1854) holte Kalliwoda nach Donaueschingen.
Einem der Amtsvorgänger von Karl Egon II., seinem Klavier spielenden Onkel 2. Grades Joseph Maria (1758–1796), bot sich übrigens W. A. Mozart 1786 als Hofkompositeur an (Quelle: MGG-Artikel über Donaueschingen), was aber dann doch nicht zustande kam.
Die Verbindung zwischen dem Donaueschinger Fürstenhaus und der Familie Mozart bestand damals schon längere Zeit: Im Jahre 1766 beherbergte Joseph Marias Vater, der Cello spielende Fürst Joseph Wenzel (1728–1783), Gründer der eigentlichen Donaueschinger Hofkapelle, den Vater Leopold Mozart mit seinen beiden Kindern Wolfgang und Nannerl zwei Wochen lang. Weiter heißt es in diesem MGG-Artikel: „Des zehnjährigen Wolfgang Amadeus Mozart Vc.-Kompos., die er für den Fürsten und unter dessen Augen schrieb, sind verloren“, was ich als Cellist natürlich bedaure.
Viele Grüße,
Reinhard Schöller

 

Und eine andere Rätselantwort lautete:

Er ist gefunden – hurra, hurra –
Josef Wenzel Kalliwoda.
Der Mühe braucht' es nicht sehr viel:
mit Internet ein Kinderspiel!

Dietlind Scheufler, Bremen