Infektionsrisiken beim Orchestermusizieren? –

Fakten, Annahmen, Überlegungen und Befürchtungen 

zusammengetragen, ausgewertet, teilweise kommentiert und hier fein säuberlich sortiert dargeboten von Dr. agr. Elisabeth Birckenstaedt und Dr. med. Michael Knoch. Stand: Anfang Juli 2020.
 

Hier finden Sie – in zusammengefasster Form – die uns bisher bekannten Veröffentlichungen von Experimenten / Versuchsanordnungen und Studien zur möglichen Verbreitung von Tröpfchen und Aerosolen beim Musizieren und den daraus abgeleiteten Überlegungen und teilweise auch Empfehlungen. Wie Sie damit in der Praxis umgehen, werden Sie jeweils vor Ort – insbesondere auch unter Berücksichtigung der Regelungen Ihres Bundeslands – zu entscheiden haben.

 

Wir verzichten auf die Darstellung der überall breit kommunizierten allgemeinen Covid-19-Hygieneanforderungen und konzentrieren uns auf die instrumenten-spezifischen Fragestellungen.

 

Bitte beachten Sie das Veröffentlichungsdatum des jeweiligen Textes, denn die Weiterentwicklungen der Erkenntnisse bzw. Einschätzungen der Sachlage sind recht dynamisch.

 

Wir freuen uns über die Mitteilung neuer, hier noch nicht erwähnter Details – bitte jeweils mit Angabe der Literaturquellen, gern per E-Mail an Elisabeth Birckenstaedt <birckenstaedt@bdlo.de> und / oder Michael Knoch <knoch@bdlo.de>.

 

Inhaltsübersicht:

–> Physik der Blasinstrumente – kurz & bündig

–> Was sagen Studien zu möglichen Infektionsrisiken insbesondere bei Blasinstrumenten?

–> Äußerungen von Einrichtungen, die Arbeitsschutzstandards konzipieren, zu Infektionsrisiken beim Spiel von Blasinstrumenten

–> Tabellarische Übersicht der Instrumenten-Daten und der Aerosol-Versuche

–> Video-Links zu Visualisierungen von Luftbewegungen, Tröpfchenflug und Aerosolausbreitungen

–> Was steht in den Hygiene-Verordnungen der Länder?

–> Was denken die Amateurmusiker*innen?

–> ... oder die Profis?

 

Physik der Blasinstrumente – kurz & bündig

 

Schall breitet sich in der Luft aus, dazu nutzt er die schwingenden Luftmoleküle. Während der Schall sich also (mit Schallgeschwindigkeit) ausbreitet, bewegt sich die ihn tragende Luft selbst aber kaum von der Stelle, sondern pendelt – als Longitudinalwelle – lediglich vor und zurück. Auf einem Streichinstrument bewirkt der Bogenstrich die Schwingung der Saite, also eine seitliche Auslenkung aus ihrer Ruhelage, die sich auf die umgebende Luft überträgt: es entsteht der Ton.

 

Blechbläser*innen bringen mithilfe des Blasdrucks und eines (geringen) Luftstroms ihre eigenen Lippen, die sie gegen ein konisches (Waldhorn, Tuba) oder zylindrisches Mundstück pressen (Trompete, Posaune), in Schwingung.

 

 

Holzbläser*innen versetzen ein Rohrblatt (Klarinette, Saxophon) oder zwei Rohrblätter in Schwingung (Oboe, Fagott). Oder sie blasen gegen eine Kante (Querflöte, Blockflöte), so dass der Luftstrom sich an dieser Kante teilen muss und dabei selbst in Schwingung gerät.

Der Klang des Instruments entsteht durch das Schwingen der Luftsäule im Instrument in Kombination mit den Eigenschwingungen des Materials und der Form des Instruments. Die Tonhöhe ist abhängig von der Länge der schwingenden Luftsäule – das dürfte jeder von der Blockflöte kennen: Je mehr Löcher zugedeckt werden, desto tiefer wird der Ton.

 

Mittels „Überblasen“ in die Obertöne wird die Tonreihe nach oben erweitert: als erstes um die Oktave (Flöten, Oboe, Fagott, Saxophon) oder um die Duodezime (Klarinette). Die Blechblasinstrumente nutzen die Obertöne der Naturtonreihe, deren Höhe dann zusätzlich mithilfe der Ventile (Waldhorn, Trompete, Tuba) oder des verschiebbaren Zuges (Posaune) verändert werden können.

 

Mit Blasinstrumenten wird nicht „Wind gemacht“ (wie bspw. mit einem Blasrohr). Der / die Bläser*in versetzt die Luftsäule des Instruments mithilfe eines gezielten und wohldosierten Luftstroms in schwingende Bewegung, indem das jeweils schwingende Teil (Lippen oder Rohrblatt) „angestoßen“ und in Schwingung gehalten wird. Dafür herrscht im Mund des Spielers ein (je nach Instrument unterschiedlich) hoher Anblasdruck, der anschließend über die (ebenfalls unterschiedliche) Länge und Form des Instruments kontinuierlich abnimmt. Die strömende Luft wird durch das Instrumentenrohr geleitet und tritt am Ende (oder bereits unterwegs durch Tonlöcher) mit deutlich vermindertem Druck wieder aus. Eine konische Instrumentenform wie auch der Schallbecher, der Schalltrichter bzw. die Stürze führen zusätzlich zu einer kontinuierlichen Verminderung des Luftdrucks.

 

Als Sonderfall sind die Flöten zu betrachten, bei denen die strömende Luft selbst in Schwingung versetzt wird und folglich beim Blasen mehr „Wind“ gemacht wird. Die erforderliche Luftmenge ist bei tiefen und lauten Tönen am größten.

 

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Was sagen Studien zu möglichen Infektionsrisiken insbesondere bei Blasinstrumenten?

 

Wir haben die wichtigsten uns erreichbaren Texte gelesen und daraus die Inhalte der direkt auf die Instrumente bezogenen Abschnitte zusammengetragen. Bitte beachten Sie das jeweilige Veröffentlichungsdatum der Texte. Für weitere Details schauen Sie bitte in die angegebenen Originaltexte.

Hier unsere –> Zusammenfassung der wichtigsten Textabschnitte aus Veröffentlichungen zur Tröpfchen- und Aerosol-Ausbreitung beim Musizieren.

 

Sommermode 2020?

 

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Äußerungen von Einrichtungen, die Arbeitsschutzstandards konzipieren, zu Infektionsrisiken beim Spiel von Blasinstrumenten

 

–> Praktische Vorschläge der Deutschen Orchestervereinigung, 30.4.2020

–> VBG, SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard, Empfehlungen für die Branche Bühnen und Studios, Bereich: Proben und Vorstellungsbetrieb, 2.6.2020

–> Schutzkonzept für Theater-, Konzert- und Veranstaltungsbetriebe in der Schweiz, NSBIV AG, 21.5.2020

 

In dem Schweizer "Schutzkonzept" ist die Seite 8 besonders interessant. Hier hat man den Aerosolausstoß von Blasinstrumenten in nl/m3 gemessen – die Messwerte liegen nur unerheblich über dem der Basisbelastung der Raumluft (am Anfang der "Kurve", ganz links):

 

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Tabellarische Übersicht der Instrumenten-Daten und der Aerosol-Versuche

 

Wir haben aus dem bisher Formulierten eine Übersicht über die Blasinstrumente des Sinfonieorchesters zusammengestellt – mit den Messergebnissen der Universität der Bundeswehr, der Bauhaus-Universität Weimar sowie jenen der NSBIV AG.

 

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Was steht in den Hygiene-Verordnungen der Länder?

 

Hier finden wir ein große Vielfalt an Vorschriften / Auflagen, die sich zudem ständig ändert: Streicher sollen in der Regel mit 1,5 m Abstand sitzen, Bläser zwischen 1,5 m und 3 m. In einigen Bundesländern (eher im Westen) gelten für Bläser zusätzliche Auflagen wie Schalltrichterüberspannungen, transparente Trennwände, spezielle Sitzplatzanordnungen, Kondenswasserentsorgung u.Ä. Auch die Raum-Lüftungsintervalle sind recht unterschiedlich geregelt. Manches ist (je nach Raumverfügbarkeit und -ausstattung) in der Praxis leicht umsetzbar, aber leider längst nicht alles.

 

Noch fehlen langfristig praktikable Konzepte, um das Musizieren im Amateurorchester oder -ensemble – immerhin ein von der UNESCO anerkanntes immaterielles Kulturerbe! – zu ermöglichen und zu fördern, anstatt es zu behindern oder gar zu zerstören.

 

Wie weiter oben bereits erwähnt: Maßgeblich sind die Bestimmungen und Regelungen Ihres jeweiligen Bundeslands, die Sie bitte, bspw. über die Seite Ihres Landesmusikrats, selbständig (auf)suchen müssen und befolgen sollten, dabei aber unbedingt beachtend, dass die heute gesichtete Verordnung morgen bereits veraltet, weil durch eine neue ersetzt worden, sein kann…

 

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Was denken die Amateurmusiker*innen?

 

Bleiben wir – in diesem Dilemma – handlungsfähig? Ein –> "Versuch" von Michael Knoch.

 

Und / aber letztlich ...

Wird's besser? Wird’s schlimmer?

fragt man alljährlich.

Seien wir ehrlich:

Leben ist immer lebensgefährlich!

(Erich Kästner)

 

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... oder die Profis?

 

Die Suche nach neuen Darstellungsformen:

https://youtu.be/dM1wFvIWbEo

 

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Quelle: https://quotesgram.com